{"id":9,"date":"2012-02-04T11:59:36","date_gmt":"2012-02-04T11:59:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kasip.de.chawachawa.org\/werner-van-treeck.de\/?page_id=9"},"modified":"2012-02-04T15:49:13","modified_gmt":"2012-02-04T15:49:13","slug":"page-1-story","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.werner-van-treeck.de\/?page_id=9","title":{"rendered":"Gest\u00f6rte Arbeit und improvisierendes Handeln"},"content":{"rendered":"<p>Soziologie behandelt gesellschaftliche Arbeit normalerweise in der Perspektive der Bedingungen ihrer M\u00f6glichkeit. Diese Perspektive hat eine Kehrseite, die oft vernachl\u00e4ssigt wird: Nicht die \u201eNormalit\u00e4t\u201c des Funktionierens von Arbeit ist das Normale, sondern ihr Nicht-Gelingen, die Abweichung, der Fehler, der Irrtum, der Unfall, die St\u00f6rung, gegen die das Funktionieren immer erst hergestellt und gesichert werden mu\u00df. Im Mittelpunkt steht der Gedanke, da\u00df es in gesellschaftlicher Arbeit (in der Auseinandersetzung mit Natur und Gesellschaft) um materielle und immaterielle Ordnungsbildungen geht, in denen Heterogenes zusammengef\u00fcgt, und eben dadurch eine Bedrohung dieser Ordnungen in ihre Bildung selbst eingebaut wird: sei es vom Rande her, von dem, was au\u00dferhalb bleibt; sei es innerhalb der Ordnungen, an den Anschlu\u00dfstellen von Handlungsketten und Wechselwirkungen, an den Fugen des Zusammengesetzten, die unterschiedliche Kr\u00e4fte, Bewegungsformen und Funktionslogiken vermitteln. An den Schnittstellen und in den Mischungszonen der Stoff-, Produkt- und T\u00e4tigkeitsgef\u00fcge nistet die Reibung, die Ablenkung, die Interferenz, die Instabilit\u00e4t \u2013 latente Kritik der jeweiligen Ordnungen, die manifest wird, wenn Spannungen zerrei\u00dfen, Widerst\u00e4nde zusammenbrechen, Interaktionen kollidieren. Fehler und St\u00f6rungen bergen produktive Potentiale, und sie zwingen zu Abwehr- und Ausgleichsma\u00dfnahmen, die ihrerseits versagen k\u00f6nnen.- Sind Fehler und St\u00f6rungen bekannt, kann man auf sie vorbereiten und auf fertige Handlungsmuster zur\u00fcckgreifen; sind sie nicht bekannt und brechen sie pl\u00f6tzlich auf, mu\u00df spontan gehandelt werden k\u00f6nnen, um in einer neuartigen Situation durch m\u00f6glichst sinnvolle Umbauten ihres Bedingungsgef\u00fcges eine wenigstens vorl\u00e4ufige L\u00f6sung zu finden. Improvisierendes Handeln wird freilich im Arbeitsalltag ambivalent erfahren und praktiziert: Es wird trotz aller Unvermeidlichkeit als Phase der Unsicherheit und des Kontrollverlusts erlebt, die man so schnell wie m\u00f6glich hinter sich zu bringen hat. Dem steht ein enormer Erfahrungsreichtum an k\u00fcnstlerischer Improvisation (Musik, Malerei, Tanz, Theater) gegen\u00fcber, der f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis und die Praxis improvisierenden Handelns im Arbeitsalltag fruchtbar gemacht werden kann.- Obwohl die Thematik mich schon l\u00e4nger besch\u00e4ftigt, und ich einige Arbeiten dazu ver\u00f6ffentlicht habe, steht die monographische Synthese noch aus. Zwei umfangreiche, bislang unpublizierte Manuskripte bilden daf\u00fcr die Grundlage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Soziologie behandelt gesellschaftliche Arbeit normalerweise in der Perspektive der Bedingungen ihrer M\u00f6glichkeit. Diese Perspektive hat eine Kehrseite, die oft vernachl\u00e4ssigt wird: Nicht die \u201eNormalit\u00e4t\u201c des Funktionierens von Arbeit ist das Normale, sondern ihr Nicht-Gelingen, die Abweichung, der Fehler, der Irrtum, der Unfall, die St\u00f6rung, gegen die das Funktionieren immer erst hergestellt und gesichert werden mu\u00df. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":2,"comment_status":"open","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.werner-van-treeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.werner-van-treeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.werner-van-treeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.werner-van-treeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.werner-van-treeck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.werner-van-treeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":94,"href":"https:\/\/www.werner-van-treeck.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/9\/revisions\/94"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.werner-van-treeck.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}